Bewährungshilfe

Inhalt:

Welche Aufgaben haben Bewährungshelfer?

Übertragung der Aufgaben auf einen freien Träger

Welcher Bewährungshelfer ist zuständig?

Weitere Informationen

 

Was ist Bewährungshilfe?



§ 56 StGB regelt die Aussetzung einer Freiheitsstrafe zur Bewährung. Nur Freiheitsstrafen mit einer Dauer von bis zu zwei Jahren können zur Bewährung ausgesetzt werden. Die Bewährungszeit (§ 56a StGB) liegt zwischen zwei und fünf Jahren. Mit Ablauf der Bewährungszeit wird die Strafe gemäß § 56g StGB erlassen, sofern es nicht zu einem Widerruf der Strafaussetzung zur Bewährung gemäß § 56f StGB gekommen ist.

Verhängt ein Gericht gegen einen Straftäter eine Freiheitsstrafe, so heißt dies also nicht automatisch, dass der Verurteilte die Strafe auch tatsächlich verbüßen muss. Unter bestimmten Voraussetzungen ist es dem Gericht möglich, die Vollstreckung der Freiheitsstrafe "zur Bewährung" auszusetzen. Dies bedeutet, dass die Strafe - jedenfalls zunächst - nicht angetreten werden muss. Vielmehr kann sie ohne Verbüßung erlassen werden, wenn der Verurteilte innerhalb eines bestimmten Zeitraums - der vom Gericht festgesetzten "Bewährungszeit" - keine weiteren Straftaten begeht und die vom Gericht erteilten Auflagen und Weisungen (z.B. Zahlung eines Geldbetrages zugunsten einer gemeinnützigen Einrichtung, Schadenswiedergutmachung) ordnungsgemäß erfüllt.

Für die Dauer der Bewährungszeit oder eines Teils davon kann das Gericht den Verurteilten einem Bewährungshelfer unterstellen. Das sind entweder hauptamtlich tätige ausgebildete Sozialarbeiter oder Sozialpädagogen oder ehrenamtliche Bewährungshelfer, die profunde Lebenserfahrung sowie in der Regel Spezialkenntnisse in die Betreuung einbringen können. Ziel der Bestellung eines Bewährungshelfers ist es, den Verurteilten von der Begehung weiterer Straftaten abzuhalten.



Welche Aufgaben haben die Bewährungshelfer?

 

Der Bewährungshelfer steht dem Verurteilten helfend und betreuend zur Seite. Er überwacht die Erfüllung der Auflagen und Weisungen und berichtet dem Gericht in regelmäßigen Abständen über die Lebensführung des Verurteilten.

Bewährungshilfe ist in erster Linie Hilfe zur Selbsthilfe. In Betracht kommt insbesondere

  • Beratung und Unterstützung bei persönlichen Problemen und in Krisensituationen sowie bei der Erfüllung der gerichtlich festgesetzten Auflagen und Weisungen,
  • Vermittlung zwischen dem Verurteilten und dem Gericht,
  • Beratung, Information und praktische Hilfe im Umgang mit Behörden (Sozialamt, Agentur für Arbeit, Wohnungsamt u.a.),
  • Beratung und Mithilfe bei der Regulierung von Schulden und bei Schadenswiedergutmachung,
  • Vermittlung an andere Beratungsstellen bei besonderen Schwierigkeiten, z.B. an Suchtberatung, Familien- und Eheberatung oder andere therapeutische Einrichtungen.

 

 

Übertragung der Aufgaben der Bewährungs- und Gerichtshilfe auf einen freien Träger



Ende 2003 hat die Landesregierung entschieden, die Aufgaben der Bewährungs- und Gerichtshilfe auf einen freien Träger zu übertragen. Die landesweite Übertragung der Bewährungs- und Gerichtshilfe auf einen freien Träger fand nach einem zweijährigen Pilotprojekt in den Landgerichtsbezirken Stuttgart und Tübingen sowie dem Amtsgerichtsbezirk Stuttgart zum 1. Januar 2007 statt.

Auf der Grundlage einer europaweiten Ausschreibung erhielt die NEUSTART gemeinnützige GmbH, ein Tochterunternehmen des Vereins NEUSTART in Österreich, den Zuschlag für zunächst zehn Jahre. Der Verein NEUSTART führt in Österreich seit über 50 Jahren sehr erfolgreich die Bewährungshilfe in freier Trägerschaft durch und verfügt sowohl im sozialarbeiterischen als auch im betriebswirtschaftlichen Bereich über großes Know-how.

Vorrangiges Ziel dieses Schrittes ist es, die seit Jahren dringend erforderlichen und von Mitarbeitern und externen Fachleuten schon lange geforderten Strukturreformen in der Bewährungs- und Gerichtshilfe effizient umzusetzen. Dazu gehören unter anderem die Einführung landesweit einheitlicher Qualitätsstandards und transparenter Qualitätssicherungssysteme, die Etablierung einer Fachaufsicht durch sozialarbeiterische Führungskräfte und der Einsatz moderner EDV. Von zentraler Bedeutung ist auch der Einsatz ehrenamtlicher Bewährungshelfer in geeigneten Fällen. Hierdurch sollen besondere Kompetenzen der Ehrenamtlichen (örtliche Verwurzelung, kulturell-landsmannschaftliche oder professionelle Hintergründe) für die Probanden nutzbar gemacht werden. Zugleich werden so die hauptamtlichen Bewährungs- und Gerichtshelfer entlastet und können sich intensiver um jene Probanden kümmern, die auf eine spezifisch sozialarbeiterische Qualifikation ihres Betreuers angewiesen sind.

 

 

Welcher Bewährungshelfer ist zuständig?



In Baden-Württemberg sind insgesamt rund 300 hauptamtliche Bewährungshelfer tätig. Welcher Bewährungshelfer im Einzelfall zuständig ist, wird vom Gericht bestimmt. Bisher waren die Bewährungshelfer organisatorisch den Landgerichten sowie dem Amtsgericht Stuttgart zugeordnet.

Als Folge der Übertragung der Bewährungshilfe in freie Trägerschaft sind die Sozialarbeiter jetzt in neu gegründeten Einrichtungen des Landes, welche durch den freien Träger betrieben werden, tätig. Damit wird einerseits die aus wirtschaftlichen, organisatorischen und technischen Gründen nötige Konzentration erreicht; zugleich wird sichergestellt, dass auch in den weniger dicht besiedelten Gebieten die Wege für Probanden und Kooperationspartner zumutbar sind. Bei der Wahl der konkreten Standorte wurde daher neben dem Probandenaufkommen stets auch auf den Sitz wichtiger Behörden, die Einwohnerzahl und die Verkehrsanbindung besondere Rücksicht genommen.

In den neuen Einrichtungen sind auch die bisher bei der Staatsanwaltschaft tätigen Gerichtshelfer untergebracht. Durch die fachliche Integration werden Bewährungs- und Gerichtshelfer zukünftig die Grundaufgaben beider Zweige erledigen.

 

 

Weitere Informationen



Nähere Informationen zu der NEUSTART gemeinnützige GmbH finden Sie unter:
http://www.neustart.org/DE/de/

 

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